RT44: Im Einsatz in der Suppenküche des Franziskaner Klosters in Pankow

Berlin, 25.05.2015 – Einmal im Monat helfen Tabler bei der Essensausgabe für Obdachlose und Bedürftige. Geschälte Kartoffeln, geschmierte Brote und einen tiefgehenden Einblick in das Leben am anderen Ende der Gesellschaft sind das Resultat dieser Einsätze.

An einem Samstagmorgen fällt es einem schon nicht immer leicht früh aufzustehen. Doch an Tagen des Einsatzes in der Suppenküche in Berlin-Pankow ist das nun leider unvermeidlich, denn gegen 06.30 Uhr geht dort bereits der Küchenbetrieb los. Ab 08:00 Uhr treffen dann auch die Tabler, als ehrenamtliche Helfer, dort ein. Dann geht es los: Gemüse putzen bis die Finge weh tun, hunderte von Broten schmieren, Wurst und Käse schneiden bis Messer stumpf sind, 800 Eier pellen bis Finge bluten, gekochtes Geflügel von den Knochen lösen; all dies sind Aufgaben, denen sich die Festangestellten täglich, aber eben auch die Tabler als freiwillige Helfer einmal im Monat stellen.

Im fast industriell organisierten Zusammenspiel entsteht so der Mittagstisch für die meist 500 Gäste. Diese warten ab 12.45 Uhr bereits auf die Essensausgabe. Doch zuvor wird gebetet. Ein Bruder der Franziskaner spricht: "Herr, segne uns und deine Gaben, die wir aus deiner guten Hand empfangen, durch Christus unseren Herrn. Amen." - oder auch ein anderes Gebet. Aber gebetet wird immer. Das gehört einfach dazu.

Gegen 15.00 Uhr ist die Schicht dann beendet. Alle Teller und Bestecke sind gespült, alle Töpfe ebenfalls und der Müll ist entsorgt.

Was bleibt nach einem solchen Tag? Totale Erschöpfung und ein gutes Gefühl.

Tabler sind häufig Büromenschen und solch körperliche Aktivitäten nicht gewöhnt. Erschöpfung ist daher vorprogrammiert. Es bleibt aber auch das gute Gefühl, für das andere Ende des gesellschaftlichen Lebens etwas Gutes getan zu haben. Denn zahlreiche Obdachlose kommen zur Suppenküche. Manchmal ist ihre Geschichte gezeichnet durch einen rauschenden sozialen Abstieg; einst Führungskraft in großen Organisation, mit Familie, Häuschen und allem Schnick-und-Schnack. Wenige Monate später dann: Allein, auf der Straße lebend und jeden Tag ums Überleben kämpfend. "Es ist schon schwer nachzuvollziehen, wie es in einem reichen Land wie Deutschland so kommen muss", so Stefan Brinkemper, derzeitige Vize-Präsident des ROUND TABLE 44 BERLIN. Die Gespräche vor Ort erden ungemein und schaffen Verständnis dafür, dass die Schicksale nicht frei gewählt sind.

ROUND TABLE 44 BERLIN unterstützt seit Jahren die Suppenküche durch Geldspenden und regelmäßige Einsätze. "Jeden Monat sind mindestens zwei unserer Mitglieder vor Ort im Einsatz", bestätigt Sven Keil, Mitglied am Tisch. Jede Mahlzeit kostet ca. 1 EUR. Wem es im Berliner Stadtteil Pankow am Nötigsten mangelt, um sich auch nur eine warme Mahlzeit am Tag zuzubereiten, der weiß, dass ihm die Türen des Franziskanerklosters seit 1991 offen stehen. Nicht nur Obdachlose nehmen dieses Angebot der Brüder und Schwestern gerne wahr - jeder, der Hilfe sucht, wird aufgenommen. Auch Altersarmut ist ein Thema. Rentner, für die am Ende des Geldes noch viel Monat übrig bleibt, sind Gäste der Suppenküche. Jahrzehntelang gearbeitet haben sie, dieses Land wieder aufgebaut und dennoch müssen sie um Unterstützung bitten, um eine warme Mahlzeit am Ende des Monats zu erhalten.
"Unsere Einsätze erden uns doch ziemlich. Geht es uns doch ziemlich gut, erleben wir hier Schicksale, die unsere Probleme nicht erscheinen lassen", so Brinkemper. ROUND TABLE 44 BERLIN wird daher auch zukünftig die Suppenküche finanziell und durch Mithilfe unterstützen.

Round Table ist eine parteipolitisch und konfessionell neutrale Vereinigung junger Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren. Die Idee und die Organisationsform von Round Table haben ihren Ursprung in der Tradition des englischen Clublebens: örtlich "Tische" führen jeweils bis zu 20 junge Männer unterschiedlicher Berufe und Wirkungsbereiche zusammen. Deutschlandweit gibt es mittlerweile ca. 3.500 Tabler in mehr als 220 Tischen. Die Mitglieder von Round Table engagieren sich innerhalb der eigenen Stadt und darüber hinaus im Rahmen von "Service-Projekten" für Schwächere. Round Table 44 Berlin ist ein lokaler Tisch in Berlin, an dem sich Verantwortliche aus verschiedenen Unternehmen für das soziale Umfeld in Berlin engagieren. Sie stammen von der Siemens AG, MINAUTICS UG, JLink connecting experts GmbH, Tecis GmbH, Baumer Hübner GmbH und zahlreichen anderen Unternehmen der Berliner Wirtschaft, Behörden oder sonstigen Einrichtungen.

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Pressekontakt: Round Table 44 Berlin, Björn Richerzhagen, bjricherzhagen@gmail.com, +49 172 6236909

Bildunterschrift: Sven Keil, im sonstigen Leben Vertriebsmanager eines Software-Unternehmens, putzt Gemüse für die Obdachlosen-Speisung.